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Rätselhafte Mythen

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Dichtung und Wahrheit bzgl. des Dokuments der Generalkonferenz zur Einhaltung von Beschlüssen

23. Oktober 2018 | Silver Spring (Maryland/USA) | Mark Finley | Kategorie: BWV

Man muss ein Gerücht, einen Mythos nur oft genug und laut genug wiederholen, so wird schon bald eine große Anzahl von Menschen diesen als Realität akzeptieren. Über Jahrhunderte hinweg haben Menschen geglaubt, dass die Erde eine Scheibe ist und die Sonne um die Erde kreist. Selbst anerkannte Gelehrte und Wissenschaftler der damaligen Zeit haben diesen Irrglauben gelehrt und den Mythos ständig wiederholt. Doch ganz gleich, wie laut man ein Märchen hinausposaunt und egal, von wem es verbreitet wird – ein Mythos bleibt ein Mythos.

In den sozialen Medien überstürzt sich momentan die Verbreitung aller möglichen Mythen über das Dokument, das vor kurzem auf der Jahressitzung 2018 des GK-Exekutivausschusses verabschiedet wurde: „Beachtung und Umsetzung von Beschlüssen der Vollversammlung und des Exekutivausschusses der Generalkonferenz

(Englische Originalfassung) (Deutsche Übersetzung) 

Manche behaupten, es sei das Bestreben der Generalkonferenz, eigenhändig alle Vorgänge sogar bis runter auf die Ebene der Ortsgemeinde steuern zu wollen, und dass niemand vor ihren Tentakeln der Kontrolle sicher sei. Das Dokument wurde als „päpstlich“, „anti-protestantisch“ und „unbiblisch“ bezeichnet.

Wir wollen uns einmal sieben verbreitete Mythen näher anschauen und sie den tatsächlichen Aussagen des Dokuments gegenüberstellen.

Mythos Nr. 1: Das Dokument  stellt eine Kompetenzüberschreitung der Generalkonferenz dar – mit  dem Ziel, ihre Macht zu zentralisieren.

Tatsache Nr. 1: Tatsächlich formuliert das Dokument: „Die entsprechende Planung und Gewährleistung der regelkonformen praktischen Umsetzung soll zunächst der Verwaltungseinheit übertragen werden, die dem Problem am nächsten ist.“ (S. 1, Zeile 25).

Es ist die Intention des Dokuments, der Verwaltungseinheit, die dem Problem der Nicht-Konformität am nächsten ist, die Regelung der Angelegenheit zu überlassen. Statt eine Zentralisierung der Macht zu fördern, wird genau das Gegenteil angestrebt. Das Dokument fordert nachdrücklich dazu auf, dass alle Problemfälle, wo Richtlinien nicht eingehalten oder umgesetzt werden, auf der lokalen Ebene gelöst werden. Wenn dies nicht möglich ist, kann die nächsthöhere Ebene der Gemeindeorganisation mit einbezogen werden. Wenn beispielsweise eine Vereinigung mit einem Problem der Nichtkonformität konfrontiert ist, das sie nicht lösen kann oder will, dann kann der Verband bzw. die Union mit Missionsstatus eingeschaltet werden, um eine Lösung zu erarbeiten. Dies gilt für jede Administrationsebene der Gemeinde.   

Wenn es um einen Beschluss der Vollversammlung der Generalkonferenz oder des GK-Exekutivausschusses geht, kann der GK-Exekutivausschuss in die Angelegenheit involviert werden.

Mythos Nr. 2: Das Dokument bedient sich einer nichtbiblischen Methode der Zwangsausübung.

Tatsache Nr. 2: Das Dokument tut genau das Gegenteil. Folgende Aussage finden wir in dem Dokument: „Leitungspersonen (Administratoren), die mit irgendeiner Angelegenheit der Nichtkonformität befasst sind, sollen eine dem christlichen Maßstab gebührende Vorgehensweise praktizieren, wozu auch intensive Gebete und Gespräche gehören.“ (S. 2, Zeile 35).

Das Dokument ist auf Heilung, nicht Bestrafung angelegt. Es bietet den Rahmen dafür, dass Dialog, Gebet und Beratung die Vorgehensweise und die Entscheidung bestimmen, wie man die Angelegenheit der Nichteinhaltung auf die beste Art und Weise lösen kann. Das Dokument folgt hierbei dem biblischen Muster der Schlichtung, Versöhnung und Problemlösung, wie sie in Matthäus 18 skizziert werden. 

Mythos Nr. 3: Das Dokument ist eine diktatorisch anmutende, autoritäre Herangehensweise der Problemlösung.

Tatsache Nr. 3: Das Dokument ermöglicht eine Vorgehensweise der Toleranz. Es gewährt den Verwaltungsangestellten der Verwaltungseinheit, die als nichtkonform wahrgenommen wird, eine Frist von 60 Tagen für weitergehende Gespräche und für das Angebot von Lösungsmöglichkeiten für die schwierige Situation. (S. 2, Zeile 14).

Die in dem Dokument enthaltenen Vorkehrungen für ein ordnungsgemäßes Verfahren ermutigen zu Diskussionen und unter Gebet stattfindenden Überlegungen bezüglich der Frage, wie man die Probleme der Nichtkonformität lösen kann. Statt einer unbarmherzigen, diktatorischen Bevollmächtigung handelt es sich bei dem Dokument vielmehr um die Sicherstellung einer Vorgehensweise des Zusammenwirkens und das Bemühen, Lösungen für die Probleme der Nichteinhaltung zu finden.     

Die vorgeschlagenen Mittel der „Abmahnung“ bzw. „Zurechtweisung“ haben den Zweck, den betroffenen Instanzen die Möglichkeit zu geben, über den Ernst und die Bedeutung einer Nichtkonformität gegenüber den per Abstimmung beschlossenen Maßnahmen der Weltkirche nachzudenken und sie zu ermutigen, zur Übereinstimmung und Eintracht mit der Weltgemeinde zurückzukehren. Für jede Art von Abmahnung, Zurechtweisung oder andere Konsequenzen ist ein Beschluss des GK-Exekutivausschusses erforderlich, in dem Repräsentanten aus der ganzen Welt vertreten sind. 

Mythos Nr. 4: Die letztendliche Entscheidungsgewalt in Bezug auf Konsequenzen liegt in Silver Spring, Maryland, beim Verwaltungsausschuss der GK [GC Adcom].

Tatsache Nr. 4: Das Dokument stellt ganz deutlich fest: „Wenn die Organisation, die als nächsthöhere Instanz für die Angelegenheit zuständig ist, nicht in der Lage war, ein Konformitätsproblem zu klären und das Compliance Review Committee der Generalkonferenz [Komitee für die Überprüfung der Einhaltung] weiterführende Konsequenzen vorgeschlagen hat, dann hat ausschließlich der Exekutivausschuss der Generalkonferenz und/oder die Vollversammlung der Generalkonferenz die Autorität, diese Empfehlung in die Tat umzusetzen.“ (S. 3, Zeilen 27-30).

Mythos Nr. 5: Dieses Dokument verändert die Kultur der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten und unterbindet die Gewissensfreiheit.

Tatsache Nr. 5: Was die Kultur der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten verändern wird, ist eine Situation, in der die per Abstimmung getroffenen Beschlüsse der Vollversammlung der Generalkonferenz und ihres Exekutivausschusses nicht anerkannt und respektiert werden. Wenn jede Verwaltungsebene, angefangen von der Ortsgemeinde über Vereinigungen und Verbände bis hin zu den Divisionen, die Entscheidungen der offiziellen Körperschaft der Freikirche nicht anerkennt, dann wird das dazu führen, dass die Freikirche in organisatorischem Chaos, Zersplitterung, Uneinigkeit, Zerrissenheit und Kongregationalismus endet. 

Die Frage, der sich die Gemeinde stellen muss, ist, ob es ihr Wunsch ist, weiterhin als eine vereinte weltweite Organisation zu bestehen, die die kollektiven Beschlüsse der Vollversammlung der Generalkonferenz und ihres Exekutivausschusses wertschätzt, oder ob die Freikirche eine Vereinigung von nur lose miteinander verbundenen einzelnen Organisationseinheiten werden möchte.

Mythos Nr. 6: Es existiert kein Organ, das die Tätigkeiten und Beschlüsse der Generalkonferenz beaufsichtigt.

Tatsache Nr. 6: Die Generalkonferenz untersteht dem GK-Exekutivausschuss und ist ihm gegenüber rechenschaftspflichtig. Das ist der Grund, warum regelmäßig während der Frühjahrssitzung und der Herbstsitzung des Exekutivausschusses [Annual Council] Berichte abgegeben werden. Zusätzlich findet eine regelmäßige Rechnungsprüfung statt, bei der die finanzielle Regelkonformität überprüft wird, und zwar von Maner & Costerisan, einer unabhängigen und hochangesehenen Firma für Wirtschaftsprüfung.

Während der Frühjahrssitzung von 2018 legten Vertreter von Maner & Costerian einen Bericht vor, dass die Generalkonferenz in Bezug auf finanzielle Angelegenheiten mit den GK-Arbeitsrichtlinien [Working Policy] konform ist.

Ebenfalls bei der Frühjahrssitzung 2018 wurde als Teil der Finanzberichte von der Finanzabteilung der GK der Bericht „Rechenschaft über die Zehntenverwendung“ vorgelegt.

Sowohl dieser Rechenschaftsbericht als auch der Bericht von Maner & Costerisan können in dem Newsletter des GK-Exekutivausschusses vom Mai 2018 nachgelesen werden. Executive Committee Newsletter

Mythos Nr. 7: Das Dokument ist unbiblisch. Es gibt administrativen Regularien einen höheren Stellenwert als der Heiligen Schrift und steht deshalb im Widerspruch zu der protestantischen Reformation, insofern als es die Gewissensfreiheit verletzt.

Tatsache Nr. 7: Gemeindeorganisation ist ein fundamentales Prinzip der neutestamentlichen Lehren. Die Gemeinde wird vom Heiligen Geist zusammengehalten – durch eine gemeinschaftliche Hingabe an Christus, einen gemeinsamen Glauben an die biblischen Lehren, eine für Mission brennende Leidenschaft und eine weltweite Gemeindeorganisation. Wenn irgendeiner dieser Aspekte auf subtile Weise untergraben wird, dann gerät die gesamte Gemeinde in Gefahr. 

Die administrativen Regularien der Gemeinde werden niemals dem Gewissen des Einzelnen etwas vorschreiben oder an die Stelle des Gewissens treten. Jeder Gläubige hat die Freiheit, dem Diktat seines Gewissens zu folgen. Es wird Momente geben, in denen aufrichtige Menschen eine unterschiedliche Sicht der Dinge haben werden. Arbeitsrichtlinien sind Übereinkünfte über die Art und Weise, wie die Gemeinde arbeitet und Angelegenheiten handhabt. Sie legen die Funktions- und Arbeitsweise einer internationalen, weltweiten Familie fest.

Es geht um Folgendes. Arbeitsrichtlinien schreiben uns nicht vor, was wir zu glauben haben, sondern sie sollen die Beschlüsse und die Handlungsweise der Leitungspersonen der Gemeinde regeln. Diese Leitungspersonen haben eine ethische Verantwortung, sich an die Entscheidungen zu halten, die gemeinschaftlich von den Vertretern der Weltgemeinde bei der Vollversammlung der Generalkonferenz getroffen wurden.  

Regularien sind keine unveränderbaren biblischen Lehren und sollten niemals über die biblische Wahrheit erhöht werden. Es sind Arbeitsgrundsätze, die die Delegierten einer Vollversammlung der Generalkonferenz oder der GK-Exekutivausschuss wieder ändern können und die bei bestimmten Gelegenheiten bereits verändert wurden. Wenn eine Veränderung irgendeiner Arbeitsrichtlinie vorgenommen wird, welche von der Vollversammlung der Generalkonferenz verabschiedet wurde, oder wenn ein Beschluss des Exekutivkomitees geändert werden soll, dann sollte diese Veränderung immer von demselben Organ vorgenommen werden, in dem die Abstimmung über diesen Punkt ursprünglich stattgefunden hat. 

Wo der Kampf nicht stattfindet 

Mythen haben uns noch niemals gute Dienste erwiesen. Sie bringen uns dahin, aus Angst heraus zu handeln – in einer illusorischen Welt der Täuschung. Am schlimmsten ist dabei, dass solche Falschmeldungen uns von unserem Auftrag als Gemeinde abhalten, das Evangelium auszuleben und zu verkündigen, um den Missionsauftrag Christi zu erfüllen.   

Wenn man Mythen oder Gerüchten Glauben schenkt, dann veranlasst dies uns, an einem Punkt Auseinandersetzungen auszutragen, wo der Kampf gar nicht stattfindet, statt dass wir unsre geistlichen Energien und unsere Aufmerksamkeit darauf richten, verlorene Menschen zu erreichen, um Männer und Frauen auf das Kommen unseres Herrn vorzubereiten.

Möge der auferstandene Christus unsere Herzen so erfüllen und unser Denken leiten, dass wir uns auf die Sache konzentrieren, die wirklich von Bedeutung ist: dass Seelen für die Ewigkeit und sein Reich errettet werden.

Pastor Mark Finley ist ein bestens bekannter Evangelist, Autor und pensionierter Vizepräsident der Generalkonferenz der Gemeinde der Siebenten-Tags-Adventisten.

Quelle des englischen Originalartikels:

https://news.adventist.org/en/all-news/news/go/2018-10-23/mystifying-myths/

Dies ist eine von der Baden-Württembergischen Vereinigung in Auftrag gegebene Übersetzung.

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